Der Ausgang der Bundestagswahl – Angiegeddon?

Wahrscheinlich war niemand sonderlich überrascht über den Ausgang der Wahl im Allgemeinen. Trotzdem gab es einige Einzelergebnisse, die mich geschockt haben.

Nicht nur, dass die Union 8,6% verloren hat, auch die SPD musste herbe Verluste in Höhe von 5,2% einstecken. Das Ende der Volksparteien ist damit eigentlich besiegelt. Denn wenn nur 53,4% der deutschen Bevölkerung zu diesen ehemaligen Volksparteien stehen, haben diese ihren Namen verspielt? Woran liegt das? Ich für meinen Teil glaube, dass beide Parteien zu klientelbehaftet arbeiten. Weder die CDU noch die SPD decken alle Bevölkerungsschichten ab, was, wenn man genauer darüber nachdenkt, mittlerweile auch nicht mehr möglich ist. Besonders in meiner Altersgruppe verlieren die Volksparteien an Attraktivität – aufgrund ihres altergerechten Programms. Bis jetzt konnte mir noch niemand beantwortet was eigentlich mit meiner Rente passiert, abgesehen davon, dass sie miserabel wird. Geschweige denn, was dafür getan wird, dass Deutschland auch in der Digitalisierung eine führende Nation wird. Auch die FDP konnte mich da nicht wirklich überzeugen.

Trotzdem ist die FDP wieder im Bundestag und das zeigt nur, dass die deutschen Wähler unter einer „politischen Amnesie“ leiden müssen. Denn schaut man sich das Programm der FDP an, so sollte einem schnell auffallen, dass sie nicht viel anders ist, als die FDP, die damals aus dem Bundestag flog. ABER heute ist sie viel cooler, hipper. Das zieht die Leute an. Ein schwarz-weißer Christian Linder ist bestimmt für einige auch eine kleine Entscheidungshilfe gewesen.

Dass die Linken und die Grünen nicht wirklich einen großen Sprung, in beide Richtungen, gemacht haben ist nicht verwunderlich. Denn auch sie machen ganz klare Spartenpolitik, die aber einfach für kleinere Sparten gedacht ist. Auch wenn ich die Programme der Parteien nicht grundsätzlich schlecht fand, fehlten auch da einige wichtige Dinge die einen davon abhalten könnten, diese Parteien zu wählen. Klar, in Bezirken wie Kreuzberg sind die Grünen natürlich gut gefahren, aber dass lässt sich nicht auf den Bund übertragen. Viele sehen die Grünen immer noch als „Öko-Veggie-Partei“. Das schreckt ab. Auch die Linken werden ihr Bild der eher russlandorientierten- kommunistischen PDS nicht los, zu ihrem Bedauern.

Die Wähler scheinen also nur da zu vergessen, wo sie vergessen wollen.

Nur das erklärt auch den „klaren Regierungsauftrag“ der Union. Denn erinnern wir uns an die Sätze, die laut wurden, als die Leute unzufrieden mit Merkel waren. Man hätte fast denken können, es geschieht etwas Aufregendes, die Wähler würden ihr die Stirn bieten. Doch durch ihren durchaus simplen Wahlkampf mit „Sie kennen mich“ und „Ich stampfe meine Kartoffeln selber“ hatten die Wähler sie wieder gern und vergaßen ihre anfängliche Missgunst. Komisch oder? Auch wenn die Kanzlerin einiges einstecken musste was die Prozentzahlen angingen, ist „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“ alles, was ihr dazu einfällt. Sie fühlt sich sicher, wobei jetzt nach der Wahl gar nichts sicher ist.

Die CSU musste einige Punkte einstecken, die SPD will eine starke Opposition stellen und Jamaika ist auch nicht entgültig. Was passiert also in diesem Land? Einem Land dass immer noch nicht zu 100% aus der Geschichte gelernt hat, eine offensichtlich rechte Partei mit 12,6% in den Bundestag wählt und dabei teilweise nicht mal weiß warum. Warum haben die „etablierten Parteien“ diese 12,6% zurückgelassen? Ihnen nicht eine wirkliche Alternative geboten? Warum wollen diese 12,6% nicht die Grünen oder die Linken oder die Tierschutzpartei wählen um „Merkel eins auszuwischen“? Warum greifen wir immer zum anderen Extrem?

Nun stehen wir vor diesem Debakel, was wir demnächst Parlament nennen. Unsicher, wer genau uns regieren wird außer Mutti. Und ich gebe ehrlich zu, ich bin frustriert. Und da hilft auch kein #wirsinddie87. Das ist Bullshit. Wieso freuen wir uns, dass 87% der Deutschen demokratisch sind? Das sollte selbstverständlich sein. Und 13% sind eindeutig 13% zu viel. Ungefähr 5,8 Millionen Menschen wählten die AFD, dass ist mehr als ein ganzes Berlin (gemessen an der Einwohnerzahl).Wir werden nie alle dazu bewegen können, von Grund auf demokratisch zu denken und zu wählen, 87% sind mir jedoch einfach nicht genug.  Ich bin fassungslos und traurig, dass wir, die durch und durch Demokratischen, diese Menschen nicht überzeugen konnten. Es ist 5 vor 12, wir müssen nun beweisen, dass diese „Alternative“ nichts ist, außer eine Farce. Nur so können wir hoffen, dass bis 2021 die Menschen eines Besseren belehrt wurden und wieder einen Platz bei den anderen Parteien finden konnten.

Das bedarf natürlich auch einer programmatischen Änderung. Eine SPD, die ihren Grundsätzen nicht treu bleibt, eine FDP, die ihr Programm gefühlt durch die Funktionen  „Copy and Paste“ geschrieben hat, eine CDU, die zwar  ihrer Linie irgendwie treu geblieben ist aber damit dem Wähler gar keine Vorstellung davon gibt, was in der nächsten Legislatur wirklich angegangen wird. Grüne und Linke, von denen wir nicht gedacht hätten, dass sie eine Chance zum Regieren hätten und deswegen nachsichtig mit ihrem Programm waren. Wir alle müssen uns zusammenraufen und überlegen, wie wir dieses Land demokratisch gestalten können. Nicht mit Phrasen oder Altbewährtem sondern mit neuen Themen, neuen Schwerpunkten und mit Lösungsansätzen für jeden. So lange wie das nicht passiert und wir bei Altbewährtem bleiben wird sich in diesem Land nichts ändern und Parteien wie die AFD werden immer mehr Stimmen gewinnen – macht euch also bereit für das „Angiegedon“ (angelehnt an den Begriff Armageddon).

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